Termindetails

IconPerücken und Puder, Parfum und Parasiten

Am Baseltor empfängt Sie die barocke Patrizierdame Madame de Coin. Bitte denken Sie daran, Ihren Pass, die Bollete, mitzubringen. Denn wer nicht aus sauberer Luft kommt, steht unter dem Verdacht aus einer mit Pest oder Cholera geschlagenen Stadt zu kommen und wird erbarmungslos zurückgewiesen. Aber nicht nur Luft, auch Wasser gilt als Träger von Krankheiten. Weil Abwasser-reinigungsanlagen noch unbekannt sind, wird Wasser aus hygienischen Gründen möglichst gemieden. Körperpflege mit Wasser, Hände- und Haarewaschen sind Krankheits- und Todesfallen. Statt gewaschen werden die Kopfhaare gepudert oder mit einer üppigen Perücke überstülpt. Darunter herrscht reges Leben. Aber das barocke Leben besteht nicht nur aus Parasiten. Barock ist Lebensfreude. Nach der gotischen Askese des Mittelalters und der Rückkehr zu klassischen Werten in der Renaissance wird uns allmählich bewusst, dass der Mensch Sinne hat, die auch auf Schönheit ansprechen. Barockengel bevölkern die Kirchen, überall lauern Amoretten mit heimtückischen Pfeilen, die strengen Regeln der Baukunst lösen sich auf, werden beweglich, bunt und beschwingt, Licht wird zum Gestaltungsmittel, und weil das Auge sich nicht sattsehen kann an all der Vielfalt, die es bisher übergangen hat, wird mit Sinnestäuschung geneckt und mit Scheinperspektiven in Gemälden und Architektur Weite vorgetäuscht – ein Sinnesrausch.

Auch das gesellschaftliche Leben wird überschwänglich. Am Ambassadorenhof ist fast jeden Abend Fest. Fackeln, Kerzen, Tafeln, Musik, Tanz und Liebschaften vermischen sich zu einer überschäumenden Lebenslust. Allerdings gelten genaue Regeln. Jede Bewegung der Füsse und Hände, jeder Gesichtsausdruck, jede Haltung des Fächers, ob geschlossen, halb oder ganz geöffnet, ob vor dem Gesicht, der Brust oder dem Fruchtbarkeitspunkt, bedeutet Einladung, Gleichgültigkeit oder Ablehnung. Und der Tanz folgt einer genauen, ausgefeilten Choreografie. Ein Leben voller Lust und Freude – sofern man nicht Gärtner, Köchin oder Zofe ist.

Unterbrochen wird die Führung bei einem barocken Modegetränk. Währendem lernen Sie mit Hilfe der Blumen- und Fächersprache Ihre Nächte zu organisieren. WC’s gibt es nicht. Der weitläufige, von diskreten Hecken durchzogene Garten erfüllt diese Funktion. Die Damen tragen deswegen keine Unterwäsche und die Beinkleider der Herren sind an entsprechender Stelle mit einem einfach zu bedienenden Latz ausgerüstet. Das dient einerseits der Notdurft, aber auch gemeinsamen Unternehmungen im kleinsten Rahmen, je nach der Zeichensprache von Hand, Gesicht und Fächer. Kein anderes Zeitalter ist so geprägt von Lust und Leid in extremen Ausmaßen. Trinksprüche und Saufkultur nehmen überhand - die Renaissancemenschen wären erbleicht angesichts der Mengen, die barocke Menschen trinken und essen. Ungeziefer und Dreck belagern Menschen und Städte und in all dem feiern barocke Menschen mit einer Lust am Leben, die Bewunderung verdient.

CHF 20.00 pro Person

Link

http://www.solothurn-stadtfuehrungen.com

Sonntag, 19.08.2018
17.00 h - 19.00 h

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Veranstaltungsort

Baseltor Aussenseite (Ost)
-
4500 Solothurn

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Eingereicht von

Guidle AG am Donnerstag, 12.07.2018

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